Remscheid

Artikel vom: 31.03.2008

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"Laienspieler" im Rathaus

Von Axel Richter

Von einer "Laienspielgruppe" spricht Klaus Koralewski, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, und meint jene im Rathaus, die sich mit der Remscheider Wirtschaft beschäftigen. Ein "heilloses Durcheinander" macht Frithjof Grande, Chef der Volksbank Remscheid-Solingen, dort aus.

Runder TischUnd Klaus Kühn, Geschäftsführer der Firma Erbschloe, hat die Oberbürgermeisterin als die Hauptverantwortliche dafür ausgemacht: "Das nehme ich Frau Wilding gar nicht übel", sagt der Unternehmer: "Sie ist gelernte Schuhverkäuferin. Wie soll sie Betriebswirtschaft beherrschen und Management-Erfahrung haben?"

Harte Worte sind das, nachzulesen in der Wirtschaftsbeilage, die heute im RGA zu finden ist. "Standort Zukunft - Herausforderungen und Perspektiven für die Region", heißt die Sonderveröffentlichung. Auf 56 Seiten ist der RGA den Zukunftsfragen Remscheids nachgegangen.

Und er lässt Menschen aus den Unternehmen zu Wort kommen. Michael Wenge zum Beispiel, Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer, der den Umgang im Rathaus mit denen, die in Remscheid Arbeitsplätze schaffen sollen, so skizziert: "Es werden Zusagen gemacht, dann verschoben, und zwei Monate später kann sich keiner mehr daran erinnern."

Oder eben den Volksbanker Grande, der zum Umgangston bei der Stadt sagt: "Die Verantwortlichen handeln zum Teil unfassbar laienhaft." Und: "Spricht man sie an, sind sie immer erst beleidigt. Das kommt erschwerend hinzu, wenn Laienspieler noch empfindlich sind und keine Kritik annehmen wollen."

Die Folgen einer solchen Wirtschaftspolitik beschreibt Max Wilhelm Schenck, Präsident des Arbeitgeberverbandes Remscheid und Chef der A. Mannesmann Maschinenfabrik so: "Viele der Unternehmen, die expandieren und neue Arbeitsplätze schaffen wollen, kriegen das in Remscheid nicht auf die Reihe."

Die Firma Bornemann ist dafür ein bekanntes Beispiel. Um das Unternehmen am Standort zu halten, hätte der Landschaftsschutz gegenüber dem geplanten Firmenneubau zurückstehen müssen, sagen die Unternehmer. Künftig produziert Geschäftsführer Michael Wisniewski in Wermelskirchen - und zahlt dort seine Steuern.

Schon beinahe in Wuppertal war AVL Schrick. Nicht die Stadt, sondern ein Zufall half, den Motorenbauer in Remscheid zu halten. Auf eine Ansiedlungsfläche im seit Jahren geplanten Gewerbegebiet Blume wartete Schrick-Chef Roger Wildemann nämlich vergebens: "Je konkreter das für uns wurde, desto unkonkreter schien es für die Stadt zu sein."

Am runden Tisch, zu dem der RGA eingeladen hatte, nahm aus Termingründen kein Vertreter der Stadt teil. So blieben die Firmenchefs unter sich. Einer ihrer direkten Ansprechpartner im Rathaus suchte gegenüber dem RGA jedoch nicht nach Ausreden.

Denn Hans Gerd Sonnenschein, Chef des Stadtplanungsamtes, weiß um das Vertrauen, das verloren gegangen ist. "Wir haben", sagt er, "in den letzten Jahren oft die nötige Verlässlichkeit vermissen lassen."



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