"Laienspieler" im Rathaus
Von Axel Richter
Harte Worte sind das, nachzulesen in der Wirtschaftsbeilage, die
heute im RGA zu finden ist. "Standort Zukunft - Herausforderungen und
Perspektiven für die Region", heißt die Sonderveröffentlichung. Auf 56
Seiten ist der RGA den Zukunftsfragen Remscheids nachgegangen.
Und er lässt Menschen aus den Unternehmen zu Wort kommen.
Michael Wenge zum Beispiel, Geschäftsführer der Industrie- und
Handelskammer, der den Umgang im Rathaus mit denen, die in Remscheid
Arbeitsplätze schaffen sollen, so skizziert: "Es werden Zusagen
gemacht, dann verschoben, und zwei Monate später kann sich keiner mehr
daran erinnern."
Oder eben den Volksbanker Grande, der zum Umgangston bei der
Stadt sagt: "Die Verantwortlichen handeln zum Teil unfassbar
laienhaft." Und: "Spricht man sie an, sind sie immer erst beleidigt.
Das kommt erschwerend hinzu, wenn Laienspieler noch empfindlich sind
und keine Kritik annehmen wollen."
Die Folgen einer solchen Wirtschaftspolitik beschreibt Max
Wilhelm Schenck, Präsident des Arbeitgeberverbandes Remscheid und Chef
der A. Mannesmann Maschinenfabrik so: "Viele der Unternehmen, die
expandieren und neue Arbeitsplätze schaffen wollen, kriegen das in
Remscheid nicht auf die Reihe."
Die Firma Bornemann ist dafür ein bekanntes Beispiel. Um das Unternehmen am Standort zu halten, hätte der Landschaftsschutz gegenüber dem geplanten Firmenneubau zurückstehen müssen, sagen die Unternehmer. Künftig produziert Geschäftsführer Michael Wisniewski in Wermelskirchen - und zahlt dort seine Steuern. Schon beinahe in Wuppertal war AVL Schrick. Nicht die Stadt, sondern ein Zufall half, den Motorenbauer in Remscheid zu halten. Auf eine Ansiedlungsfläche im seit Jahren geplanten Gewerbegebiet Blume wartete Schrick-Chef Roger Wildemann nämlich vergebens: "Je konkreter das für uns wurde, desto unkonkreter schien es für die Stadt zu sein." Am runden Tisch, zu dem der RGA eingeladen hatte, nahm aus Termingründen kein Vertreter der Stadt teil. So blieben die Firmenchefs unter sich. Einer ihrer direkten Ansprechpartner im Rathaus suchte gegenüber dem RGA jedoch nicht nach Ausreden. Denn Hans Gerd Sonnenschein, Chef des Stadtplanungsamtes, weiß um das Vertrauen, das verloren gegangen ist. "Wir haben", sagt er, "in den letzten Jahren oft die nötige Verlässlichkeit vermissen lassen."
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